HNA, 23. / 24. Januar 2010
Melsungen. Der schlichte Begriff „Drucksache“ könnte eine falsche Vorstellung wecken über die technologisch anspruchsvollen Produkte, die die Melsunger Spezialdruckerei Faubel & Co. Nachfolger für die pharmazeutische Industrie herstellt. Für eins seiner neuesten Entwicklungen hat sich das Unternehmen gleich drei Patente eintragen lassen und will bis Herbst entscheiden, ob es auch europa- und weltweite Schutzrechte beantragt. Es geht darum, die Verpackung von Arzneimitteln kindersicher zu machen.
Marco Zajac, Produktentwickler bei Faubel, erläutert den Hintergrund: Jedes Jahr müssen bundesweit 200.000 Kinder wegen Vergiftungen behandelt werden – die meisten, weil ihnen Medikamente in die Hände gefallen sind, die sie mit Bonbons oder Getränken verwechselt und arglos eingenommen haben. Bestimmte starke Medikamente können für Kinder in geringer Dosierung und kurzer Zeit tödlich sein, sagt Zajac: „Und wo finden sie die? Häufig bei Oma und Opa.“
Eine knifflige Ausgangslage für Verpackungsdesigner. Denn einerseits müssten diese Arzneipackungen so gut wie nur möglich vor dem Zugriff von Kleinkindern geschützt, andererseits aber auch für Senioren leicht entnehmbar sein.
Lösungen, die der Markt bisher anbietet, sind nicht sonderlich überzeugend. Zajac zeigt eine Pillenpackung aus den USA, wo das Produkthaftungsrecht besonders weit gefasst und Faubel seit kurzem im Exportgeschäft aktiv ist. Die Blisterverpackung ist derart panzerhart, dass praktisch nur mit robustem Werkzeug an die hoch wirksamen Tabletten heranzukommen ist.
Für solche Sicherheitszwecke haben sich die Melsunger Druck-Tüftler eine elegantere Lösung überlegt. Sie besteht aus einem mehrlagigen Folien-Etikett, das höchst ungewöhnlich perforiert ist und anstelle der üblichen Alu-Durchdrückfolie auf die Tabletten-Blister aufgebracht wird.
Durch altersübliches Knibbeln und Knautschen wird kein Kind eine solche Arzneipackung knacken. Wer an die Pillen herankommen will, muss „vier unterschiedliche Verhinderungskonzepte überwinden“, wie Zajac es formuliert, und gleichzeitig Kraft, Fingerfertigkeit, Logik und Zeit in abgestimmter Form einsetzen.
Wenn erst mal die äußere Folie abgepellt ist, gilt es, kleine Laschen senkrecht zu stellen. Die können aber nur dann als Aufreiß-Hebel wirken, wenn sie kraftvoll in einer kombinierten Dreh- und Ziehbewegung eingesetzt werden. So feinmotorisch bringen das nur Erwachsene zustande, da sie die erläuternden Piktogramme entschlüsseln können.
Selbst wenn ein Kind all diese Hürden überwinden sollte, ist die gefährliche Pille noch nicht draußen aus der Packung. Denn sie muss an einer ganz bestimmten, sehr kleinen Sollbruchstelle aus dem Blister gedrückt werden.
Alles in allem eine maximale Sicherheit gegen unbefugte Tabletteneinnahme, sagen Entwickler Zajac und Geschäftsführer Reinhard Kuge. Nach dessen Angaben warten schon mehrere große Pharmakonzerne darauf, dass die gedruckte Pillenpackung-Sicherung auf den Markt kommt.
Das wird nicht mehr lange dauern. Nach der Erteilung der Patente hat Faubel jetzt auf einer speziell gebauten Maschine die ersten Testmuster für Kunden hergestellt.
Von Axel Schwarz
Faubel - Spezialist f?r Spezial-Etiketten-L?sungen - Verpackungsl?sungen f?r die pharmazeutische Industrie - Klinische Studien
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